VN97-6
Basler (Ge-)Stapo zieht harmlosem Kiffer öffentlich die Hose herunter
von Marlène Reinert, Vizepräsidentin VgT Schweiz
Am Samstag, den 7.6.97, hatte der VgT auf dem Claraplatz in Basel einen Tierschutzstand neben der Kirche. Ich konnte beobachten, wie ein junger Mann mit Streichinstrumentenkoffer zwischen 12.30 Uhr und 13.30 von einer Uebermacht Polizei verhaftet und in Handschellen abgeführt wurde. Wie kam es dazu?
Der junge Mann war mir einige Zeit vorher aufgefallen, als er etwas verwirrt an uns vorbeilief und laut «Babylon» rief. Er liess sich daraufhin an der Ecke der Kirche auf dem Claraplatz nieder. Dort wurde er bald von zwei zivilen Personen flankiert. Es schien alles friedlich abzulaufen, und der junge Mann störte niemanden. Er sass auf dem Boden.
Nach einiger Zeit war eine Unruhe zu spüren und hektische Abläufe an der Ecke der Kirche. Es standen dort mehr als 4 Polizeibeamte, die den jungen Menschen auf die Beine stellten und laut und wild mit ihm gestikulierten. Der junge Mann rief um Hilfe. Ich sah, dass auch 2 Polizeifahrzeuge am Strassenrand hielten. Was ich dann zu sehen bekam, ist ein Skandal: Der Kopf des jungen Menschen wurde an den Haaren zurückgezogen, an jedem Arm hielt ihn ein Beamter fest. Dann wurden ihm die Jeanshosen heruntergezogen. Er stand da in den Unterhosen und entblösstem Oberkörper. Wer ihm das Oberteil auszog, ist mir nicht bekannt. Der Mensch schrie laut. Er hatte die Hände mit Handschellen auf den Rücken gefesselt. Man zog die Hose teilweise wieder hoch, da versuchte er laut schreiend zu flüchten und stürzte. Er wurde sofort an den Armen brutal festgehalten und abgeführt. Zu diesem Zeitpunkt erkannte ich, dass die zwei zivilen Personen offenbar ebenfalls zum Korps gehörten. Ich hörte wie sich einige Umstehende laut fragten, was ist denn da los? Warum haben die ihm die Hosen heruntergezogen? Was hat der getan? Gohts denn no?
Der schreiende junge Mensch hatte vor Aufregung Schaum vor dem Mund, das war deutlich zu sehen. In diesem Moment schaltete ich mich ein, ging auf einen Beamten zu und sprach ihn an. Ich warf ihm vor, dass sich hier die Polizei «daneben» und unverhältnismässig aufführt. Der junge Mensch sei bestimmt kein Schwerverbrecher, und ich wolle gerne wissen, was hier los ist. Herrisch wurde ich angeblafft, mich aus der Sache herauszuhalten und «uns nicht von der Arbeit abzuhalten». «Entfernen sie sich unverzüglich», sagte mir der Beamte. Ich sagte» nein» und verlangte seinen Namen. Er antwortete: «Das geht sie nichts an, verschwinden sie endlich.» Ich sagte, er müsse mir seinen Namen sagen, da ich diese Angelegenheit als Skandal betrachte und mich als Bürger dieses Staates darüber sehr aufrege. Er gab den Namen wiederum nicht an und kehrte mir den Rücken zu. Ich rief ihm nach: «Sie wollen mir also ihren Namen nicht sagen?» Er rief zurück ohne sich umzusehen: «Wenn sie was wollen, melden sie sich auf der Clarawache.»
Während diesem Wortwechsel wurde der junge Mann ins Polizeiauto verfrachtet und die Mannschaft brauste davon.
Der junge Mensch schien mir kein Schwerverbrecher zu sein. Er war vielleicht verwirrt, vielleicht krank, vielleicht hatte er gekifft. Auf jeden Fall sah ich nicht, dass er gemeingefährlich war. Er hatte kein Diebesgut dabei, auch sah ich keine Waffe. Sogar wenn er ein Verbrechen begannen hätte, wäre es unhaltbar, einem Menschen die Hosen vor aller Oeffentlichkeit herunterzuziehen. Überhaupt ist die ganze Sache derart lächerlich und ein Verhältnisblödsinn, dass ich mich frage, wo wir eigentlich sind.
Als Tierschützer erleben auch wir es immer wieder, dass die Polizei sich wie eine fremde Besatzungsmacht aufführt, wenn wir irgendwo Flugblätter verteilen oder Demos organisieren. Da erleben wir Willkür und Überreaktionen von Seiten der Behörde.
Wie das Beispiel des jungen Mannes am Claraplatz zeigt, werden Bagatellen rigoros und brutal geahndet, daneben laufen die wahren Verbrecher und Kriminellen frei herum.
Anmerkung von Erwin Kessler , Präsident VgT:
Wir haben die Medien über diesen Vorfall informiert; alle haben ihn vollständig unterdrückt. Unter dem Schutz der Selbstzensur der regimetreuen Medien spielt sich in der Schweiz hinter den Kulissen Unglaubliches ab. Weil in den VN laufend Dinge ans Licht gebracht werden, welche fast alle anderen Medien unterdrücken, ist der VgT immer stärkeren staatlichen Repressionen ausgesetzt, die darauf zielen, das weitere Erscheinen der VN zu unterbinden. Eine dieser Repressions-Taktiken ist das finanzielle Ausbluten des VgT durch massenhafte willkürliche Gerichtsurteile mit hohen Kostenfolgen.
Aus Erfahrung weiss ich, dass Marlène Reinert gut beobachtet und sorgfältig berichtet, andererseits fehlbare Polizeibeamte von ihren Kollegen häufig mit Falschaussagen gedeckt werden. Solche Erfahrungen habe ich wiederholt gemacht, auch persönlich, als mich zB ein St Galler Polizeiwachtmeister gewaltsam abführen liess, obwohl ich nichts Rechtswidriges getan oder beabsichtigt hatte, lediglich um eine dem Regime unsympathische Kundgebung gegen tierquälerische Missstände in einem staatlichen Schweinestall zu verhindern.
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Tierfabriken Schweiz
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