VN2002
Leserbriefe
Sehr geehrter Herr Kessler, zusammen mit wohl den meisten
Tierfreunden bedaure ich zutiefst Ihre Verurteilung durch ein schweizerisches Gericht
wegen Ihres Einsatzes für die Tiere. Die Anklagen gehen auf Initiativen jüdischer
Organisationen zurück. Diese berufen sich auf die Unantastbarkeit religiöser Inhalte und
Bräuche. Mit solchen lasse sich auch das grausame Schächten von Tieren rechtfetigen. Was
nun sagen dieselben Kreise zur Unantastbarkeit und Berechtigung islamischer
Glaubensinhalte und Bräuche, nach denen zB Selbstmordattentate gegen Andersgläubige,
auch unschuldiger Frauen und Kinder, ihre Berechtigung haben, ja sogar zur höchsten
Belohnung der "Gotteskrieger" durch Allah führen? Religiöse Bräuche und
traditionelle Glaubensinhalte dürfen hinterfragt und, wenn sie mehr zum Unheil als zum
Heil von Mensch und Natur beitragen, auch abgeschafft werden. Sie sind nicht von Gott,
Jehova oder von Allah. Sie stammen von Menschen, von denen auch der heiligste und edelste
nicht unfehlbar ist.
Joseph Arnold, Oftringen
Ihre Berichte über das Schächten haben mich erschüttert,
obwohl ich ja das meiste schon wusste. Solche Ungerechtigkeit und Brutalität erschüttert
mich immer wieder aufs neue, und ebenso schlimm finde ich das Vorgehen gegen Sie. Hut ab
vor Ihrem Mut. Ich wünsche Ihnen viel Kraft.
Heidi K, Stans
Lieber Herr Kessler, mit Bestürzung habe ich vom gewaltigen
Strafmass erfahren, mit dem man Sie dazu bringen will, endlich den Mund zu halten, die
Augen zu schliessen und die Fäuste, falls überhaupt, höchstens noch im Sack zu
behalten. Es gibt Situationen, die dermassen verrückt sind, dass man sie mit dem
logischen Verstand nicht nachvollziehen, sich mit dem Gefühl nicht in sie hineinversetzen
kann. Dass die wirklichen Rassisten ungeschoren davonkommen und Sie, Herr Kessler, der Sie
das Judentum als solches ja nicht in Frage gestellt haben, sondern einzig das Schächten,
bestraft werden, gehört zum Unverständlichen. In 50 Jahren wird es wahrscheinlich zu
einer Amnestie und Entschuldigung des Staates kommen (wie zB in den Fällen Grüninger und
Surava). Für diese lange Zwischenzeit wünsche ich Ihnen (und uns), dass Sie nicht an
Selbstzweifel zerbrechen wegen solchem verrückten Unsinn, solcher Ungerechtigkeit und
Gemeinheit, dass Sie viel, viel Kraft, Zuversicht und Trost haben, weil Sie das Richtige
getan haben, und dass wir alle unseren Weg weitergehen als kritisch Denkende, als
aufmerksame Wahrnehmende, mit mitleidsvollen Herzen und natürlich als VegetarierInnen.
Dr med Ursula Talib-Benz, Pfäffikon, Psychotherapie und Psychosomatik
KZ-Schweine des Klosters Disentis
Ich bin sicher, dass unser Schöpfer den Kirchen und
Klöstern und den sogenannten Christen eines Tages den Spiegel vor ihr ach so braves und
scheinheiliges Gesicht halten wird. Meine Familie ist gläubig, darum gehören wir keiner
Kirche mehr an. Wir könnten diese Mitschuld nicht ertragen.
Victor + Bärbel T, Eschikofen
Lieber Herr Kessler. Heute war Ihre Zeitschrift
VgT-Nachrichten (VN2001-1) über das Schächten im Briefkasten, mit einem Titelbild, das
ich nicht vergessen werde. Ich bin seit ca fünf Jahren Reiki-Meisterin und glaubte, die
Emotionen auf der mentalen Ebene zu beherrschen. Aber meine Tränen flossen unaufhörlich.
Ich brauchte lange Zeit, die Wahrheit und Wirklichkeit anzunehmen und zu verarbeiten. Ich
setze dort an, indem ich zu Gott bete und für die Menschen, die zu solchen Grausamkeiten
gegenüber der hilflosen Kreatur fähig sind, um Verzeihung zu bitten. Anders werde ich
mit diesem Problem nicht fertig. Man fühlt sich machtlos und hilflos. Und ich bin
dankbar, dass Sie den Mut aufbringen, für diese Geschöpfe Gottes zu kämpfen ohne Wenn
und Aber. Ich bewundere Ihre Einstellung und ich möchte Sie unterstützen mit meinen
guten, positiven Gedanken. Ich habe das Vertrauen in das unfehlbare Gesetz von Ursache und
Wirkung nicht verloren. Es gibt eine Gerechtigkeit, aber wir müssen die Rache jemandem,
der über uns steht, überlassen. Ich wünsche Ihnen Gottes Segen für Ihre wunderbare
Aufgabe, die Sie zu erfüllen haben in diesem Leben. Mit besten Grüssen
Anna D L, Weinfelden
Haben Sie grossen Dank für Ihren Einsatz gegen die masslose
Ausbeutung unserer Nutztiere. Durch Sie bin ich Vegetarier geworden und werde es auch
bleiben. Ich spüre deutlich, dass es mir inzwischen physisch besser geht.
L C Scherer
Vielen Dank, dass Ihr diese schwere Aufgabe des Tierschutzes
auf Euch nehmt. Die Mehrheit des Volkes steht auf Eurer Seite. Macht weiter so.
Thoms+Susanne U, Mellikon

Ein halbes Dutzend mir nicht bekannter «Experten»
diskutierten am 16.1.02 im «Zischtigclub» von SF DRS über das «Schächtverbot» - ein
Thema, wofür auch ich mich, wie vermutlich die meisten Menschen hierzulande
interessieren. Trotzdem verzichtete ich darauf, die Sendung einzuschalten... Dies in der
Befürchtung, dass durch die Abwesenheit von VgT-Präsident Dr Erwin Kessler ein ehrliches
Streitgespräch ohnehin nicht gewährleistet sein dürfte. Und ein braves,
obrigkeitsgefälliges Palaver wollte ich mir nicht antun. Dass sich das Schweizer
Fernsehen bei Fragen zum Tierschutz im allgemeinen und zum Schächtritual im besondern
davor scheut, Erwin Kessler als ausgewiesenen Experten einzuladen, beweist die
beschämende Duckmäusermentalität dieser öffentlich-rechtlichen Institution. Einer
Institution notabene, deren programmierte (präziser: reglementierte) Moderatoren den
Ethiker Kessler als landesweit profiliertesten, fachkundigsten, konsequentesten, mutigsten
und intelligentesten «Tieranwalt» offenbar nur in der Rolle eines Störenfrieds
wahrzunehmen - und totzuschweigen - pflegen. Bei allzu menschlicher Betrachtung ein schier
normales Verhalten in unserer durch die Classe politique gesteuerten Klientelrepublik. Und
eine fragwürdige Justiz, die tierschutzbezogen allemal beflissen dem Polit- und
Agrarestablishment zu Diensten ist. Oder punkto barbarischem Schächtritual willfährige
Richter mit schwachsinnigen Auslegungen «Tieranwalt»-Kessler als Rassisten und
Antisemiten diskriminieren. Apropos Religion, Ethik, Moral und Schächtritual: Ist die
Landeskirche mit der Zustimmung zur Aufhebung des Schächtverbotes nicht endgültig
abgerutscht zu einer saturierten, konfliktscheuen, opportunistischen Institution, die mit
ihrem unchristlichen Gutachten den letzten Rest an Glaubwürdigkeit verloren hat?
Allen meinen Bekannten, die ich bislang mit diesen Bildern des Schächtens
konfrontierte, hat es die Sprache verschlagen. Meinerseits verliere ich, bezogen auf die
Diskreditierung des Einsatzes von Erwin Kessler, immer öfters die Contenance und muss
mich zuweilen schier gewaltsam zurückhalten, um nicht gegen das verfilzte, verkommene,
heuchlerische System dieses "durch und durch verluderten Staates" (Max Frisch)
Amok zu laufen.
Peter Baumann, Amriswil
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