8. Dezember 2000

Offener Brief an die jüdische Bunderätin Dreifuss zum Beschneiden von Mädchen

Sehr geehrte Frau Dreifuss!

Das UNO-Kinderhilfswerk UNICEF sammelt Geld für den Kampf gegen das rituelle Beschneiden von Mädchen und schreibt dazu:

Das Mädchen weiss nicht, was ihm angetan wird. Seine Schwestern haben "e" vielleicht schon hinter sich, aber sie schweigen. Vater und Mutter diskutieren "es" während Wochen, aber das Kind tappt im Dunkeln. Wenn "es" vorüber ist, wird das Mädchen eine stolze Frau sein. So viel versteht das Kind. Und dann geschieht "es". Das lockende Geheimnis entpuppt sich. Und was übrig bleibt, sind grauenhafte Schmerzen, ein Gefühl von Verrat und die Demütigung, nur um den Preis der Hölle als Frau akzeptiert zu werden.

Mädchenbeschneidung ist ein Tabu. Dabei erleiden jährlich zwei Millionen Mädchen zwischen vier und zwölf Jahren diese Grausamkeit. Ohne jegliche Betäubung und unter unhygienischen Bedingungen ausgeführt, werden Mädchen an ihren Geschlechtsorganen verstümmelt.

Der deutsche Chirurg Dr med Hartinger schreibt über das rituelle Schächten von Kühen, Kälber und Schafen:

Beim Schächtschnitt werden zunächst die Haut und die oberflächliche Halsmuskulatur durchschnitten. Dann die tiefer liegende Luftröhre und die Speiseröhre. Gleichzeitig werden dabei die unmittelbar daneben liegenden Nervi phrenici durchtrennt, die das Zwerchfell motorisch versorgen. Jeder Medizinstudent hat gelernt und jeder Mediziner mit operativer oder anaesthesiologischer Erfahrung hat gesehen, daß die Luftröhre, der Kehlkopf und die Speiseröhre besonders schmerzempfindliche Organe sind, deren Verletzung noch in tiefer Narkose erhebliche Schmerzreaktionen mit Atemstörungen, Pulsfrequenz- und Blutdruckerhöhungen sowie EKG-Veränderungen verursacht und daß beim Verletzen der Halsschlagader der bekannte Carotis-Sinus-Effekt die besondere Sensibilität dieser Halsregion belegt. Während des langsamen Ausblutens thrombosieren und verstopfen vielfach die durchtrennten Gefäßenden und es muß nachgeschnitten werden. Wegen der verletzten Zwerchfell-Nerven kommt es zu einer schlaffen Lähmung der Zwerchfell-Muskulatur und zu einem immobilen Zwerchfellhochstand, das heißt zu einer bewegungsunfähigen Erschlaffung des Zwerchfelles, das durch den Bauchinhalt beim Aufhängen kopfwärts gedrängt wird. Daraus resultiert eine weitere erhebliche Beeinträchtigung der Atmung, die überwiegend auf der Bewegung dieser Muskel-Sehnen-Platte beruht.

Zu den unerträglichen Schnittschmerzen bekommt das Tier somit noch Todesangst durch Atemnot. Infolge dieses atemnot-, angst- und schmerzbedingt verstärkten Atmungsvorganges wird das Blut und der aus der durchtrennten Speiseröhre austretende Vormageninhalt in die Lungen aspiriert, was zusätzlich zu schweren Erstickungsanfällen führt. Und das alles - im Gegensatz zu den Behauptungen der Schächt-Befürworter - bei vollem Bewußtsein des Tieres! Denn die Blutversorgung des Gehirnes ist noch gegeben. Filmaufnahmen belegen die volle Reaktionsfähigkeit und bewußte Orientierung des ausgebluteten Tieres, das nach dem Entfesseln mit der entsetzlichen Halswunde aufsteht und orientiert dem Ausgang des Raumes zutaumelt.

Auf die Frage, was Sie als Jüdin vom Schächten halten, haben Sie uns geschrieben: "Zu Ihrer Kritik am Schächten: Für mich ist dies eine Frage der Glaubens- und Gesinnungsfreiheit. Wer sich davon distanziert, masst sich Kritik an religiösen Werten an, die gewissen Menschen wichtig sind. Das möchte ich nicht."

Das Beschneiden von Mädchen wird von den Tätern auch als göttliches Gesetz betrachtet. Sind Sie also auch dafür, dass dies toleriert wird? Oder gilt Ihre religiöse Toleranz nur, wenn die Täter Juden sind?

Weil ich Sie fragte, ob Sie gegenüber Menschenfressern auch so tolerant wären, muss ich wegen Antisemitismus ins Gefängnis, da meine Frage die Juden auf die Stufe von Menschenfresser stelle (www.vgt.ch/justizwillkuer/schaecht-prozess.htm). Vielleicht muss ich jetzt wieder ins Gefängnis, weil ich mit meiner Frage zum Beschneiden von Mädchen die Juden auf die Stufe von primitiven Afrikanern gestellt habe. Vielleicht. Was seit Inkrafttreten des Rassismus-Maulkorbgesetzes noch gesagt werden darf und was nicht, weiss niemand.

Sie können trotzdem nicht beruhigt sein. Ich werde Ihrer gruppen-egoistischen moralischen Blindheit immer wieder einen Spiegel vorhalten. Das bin ich den wehrlosen Opfern schuldig.

Mit freundlichen Grüssen
Erwin Kessler, Präsident VgT


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